Die Sopranistinnen Soledad de la Rosa und Nora Tabbush haben sich auf Entdeckungsreise begeben: zu einem wichtigen italienischen Komponisten, der von der Nachwelt stiefmütterlich behandelt wird. Marco Marazzoli machte in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts von sich reden im damaligen Rom, indem er für die Musik im Umfeld Papst Urbans VIII. sorgte. Marazzoli profilierte sich als erstklassiger Harfenist und komponierte außerdem fast 400 Kantaten für die päpstliche Kurie.

Mit seinen guten Verbindungen zum frankophilen Papst Urban geriet der Komponist allerdings in die Bredouille, als der neue Papst Innozenz X. das Ruder auf einen pro-spanischen Kurs herumwarf. Marazzoli bekam zu spüren, wie sich die notorischen Intrigen unter den prominenten römischen Familien auswirkten, denen jedes Mittel recht war, um ihre Interessen durchzusetzen. Es kostete den Komponisten einiges, sogar stilistische Anleihen bei der aktuellen spanischen Musik, um auch bei Innozenz und seinem Nachfolger Alexander einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Zuletzt aber hatte Marazzolis Bemühen Erfolg. Wie sich ein Komponist durch das Haifischbecken der römischen Schickeria um 1650 musikalisch hindurchlavierte, lässt sich auf dieser CD mit selten gehörten Werken nachempfinden.

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